Games.Hispanistica ist aus der hochschuldidaktischen Arbeit mit dem digitalen Lehrbuch Spanische Linguistik @ School hervorgegangen. Ausgangspunkt ist die Erfahrung, dass Studien- und Prüfungsleistungen im Studium häufig in einmaligen Formaten organisiert sind: Referate werden gehalten, Hausarbeiten geschrieben und abgegeben. Diese Formate sind etabliert und sinnvoll, führen jedoch nicht immer zu einer vertieften fachlichen Reflexion oder zu einer nachhaltigen Verfügbarkeit der erarbeiteten Inhalte.
Das didaktische Konzept von Games.Hispanistica setzt hier an und geht davon aus, dass sich fachliches Verständnis besonders dann vertieft, wenn Studierende sich nicht nur mit Inhalten, sondern auch mit deren Vermittlung auseinandersetzen. In einem ersten Schritt geschieht dies durch Beiträge zum digitalen Lehrbuch Spanische Linguistik @ School: Studierende strukturieren Inhalte neu und überlegen, wie linguistische Konzepte verständlich und adressatengerecht dargestellt werden können.
In einem zweiten Schritt werden diese Inhalte in interaktive Spielformate übertragen. Beim Transfer vom Lehrbuchkapitel zum Game-Modul stellt sich erneut die Frage, was zentral ist, wo typische Verständnisschwierigkeiten liegen und wie Inhalte überprüfbar und anwendbar gemacht werden können. Dieser mehrstufige Produktionsprozess – von der fachlichen Erarbeitung über die didaktische Aufbereitung bis zur spielbasierten Umsetzung – fördert eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten.
Rezeption bleibt dabei ein wichtiger Bestandteil: Studierende nutzen sowohl das digitale Lehrbuch als auch die Games zur Vorbereitung, Wiederholung und Selbstüberprüfung. Entscheidend ist jedoch, dass Lernen hier nicht auf Rezeption beschränkt bleibt, sondern durch produktive Vermittlungsarbeit ergänzt wird.
Studierende als Produzierende
Ein zentrales Element des didaktischen Konzepts ist die aktive Rolle der Studierenden. Studierende arbeiten nicht nur mit bestehenden Materialien, sondern beteiligen sich an der Entwicklung der Games-Module selbst. Sie überlegen, welche Inhalte sich für interaktive Formate eignen, wie Aufgaben verständlich formuliert werden können und wo typische Verständnisschwierigkeiten liegen.
Diese Perspektive verändert den Lernprozess: Wer Inhalte für andere aufbereitet, muss priorisieren, vereinfachen und begründen. Dadurch vertieft sich das fachliche Verständnis, zugleich werden Kompetenzen gefördert, die über das einzelne Seminar hinaus relevant sind – etwa Strukturierungsfähigkeit, Reflexion über Vermittlungsprozesse und adressatengerechte Aufbereitung von Wissen.
Warum Games?
Die spielbasierten Module von Games.Hispanistica sind nicht als Selbstzweck gedacht. Games dienen hier als didaktisches Mittel, um Lernprozesse zu unterstützen. Sie ermöglichen einen niedrigschwelligen Einstieg, machen Lernfortschritte sichtbar und laden zur aktiven Auseinandersetzung mit den Inhalten ein.
Im Unterschied zu klassischen Übungsformaten bieten Games die Möglichkeit, Inhalte mehrfach, flexibel und selbstgesteuert zu bearbeiten. Sie eignen sich besonders für Wiederholung, Selbstüberprüfung und den gezielten Blick auf zentrale Begriffe oder Problemstellen. Entscheidend ist dabei nicht der Spielcharakter an sich, sondern die gezielte Verbindung von Inhalt, Aufgabe und Rückmeldung.
Einbettung in die Lehre
Games.Hispanistica ist fest in die universitäre Lehre eingebunden. Die Module werden in Seminaren eingesetzt, gemeinsam entwickelt und im Verlauf der Lehrveranstaltungen weiterentwickelt. Darüber hinaus kommen sie auch im Kolloquium für Examenskandidatinnen und -kandidaten zum Einsatz, etwa zur Wiederholung und Strukturierung prüfungsrelevanter Inhalte.
Durch die enge Anbindung an das digitale Lehrbuch Spanische Linguistik @ School bleibt der fachliche Zusammenhang stets erhalten. Die Games ersetzen keine theoretische Auseinandersetzung, sondern ergänzen sie um eine weitere Ebene der Verarbeitung und Anwendung.
Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung
Games.Hispanistica ist als offenes, wachsendes Projekt konzipiert. Die modulare Struktur erlaubt es, neue Formate zu entwickeln, bestehende Inhalte zu überarbeiten und das Angebot schrittweise zu erweitern. Studierende verschiedener Jahrgänge tragen so gemeinsam zu einem Projekt bei, das über einzelne Lehrveranstaltungen hinaus Bestand hat.
Das didaktische Konzept verbindet fachliche Vertiefung, aktive Beteiligung und digitale Offenheit. Games.Hispanistica versteht sich nicht als abgeschlossenes Produkt, sondern als Teil einer Lehrpraxis, die sich kontinuierlich weiterentwickelt.